Projektberichte: Zusammenfassungen

Projektpräsentationen 2024: Wenn Wissen auf Praxis trifft

Ende November ist für uns jedes Jahr ein besonderer Moment: Wir erleben, wie unsere Teilnehmenden ihre Projekte präsentieren und damit sieben Monate intensiver Arbeit zum Abschluss bringen. Was diese Präsentationen so wertvoll macht? Es geht nicht um theoretische Übungen, sondern um echte Projekte mit realen Auftraggebenden, konkreten Zielen und messbaren Ergebnissen.


Von der Theorie zur Umsetzung

Während des gesamten Lehrgangs haben die Teilnehmenden ihr neu erworbenes Wissen über Umwelt und Nachhaltigkeit direkt in die Praxis umgesetzt. In enger Zusammenarbeit mit ihren Auftraggebenden haben sie ihre Projekte konzipiert, umgesetzt und erfolgreich abgeschlossen. Begleitet wurden sie dabei durch ein umfassendes Unterstützungsangebot: Kurse und Coaching im Projektmanagement, Kommunikationstrainings und praxisnahe Fallstudien vor Ort haben ihnen die nötigen Werkzeuge an die Hand gegeben.


Kleine Schritte, grosse Wirkung

Die Vielfalt und Qualität der durchgeführten Projekte zeigen eindrücklich, wie aus Engagement und Fachwissen konkrete Beiträge zu mehr Nachhaltigkeit entstehen. Jedes einzelne Projekt ist ein Schritt in die richtige Richtung:


Wir gratulieren den 22 Teilnehmer_innen des Lehrgangs «Projektmanagement Natur und Umwelt» 2024-2025 herzlich zu ihren Leistungen und wünschen ihnen alles Gute für ihre weitere berufliche Laufbahn und viel Erfolg beim eidgenössischen Diplom «Fachfrau/Fachmann Natur und Umwelt».


Agroforst auf dem Dietisberg BL 

Die Landwirtschaft steht heute vor Herausforderungen wie Klimawandel, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust und wachsendem Nahrungsmittelbedarf auf begrenztem Raum. Eine Projektgruppe befasste sich mit der Planung und Umsetzung eines Agroforst-Systems auf dem Landwirtschaftsbetrieb Dietisberg Wohnen & Werken im oberen Baselbiet, einer sozialen Institution, die rund 100 Menschen ein Zuhause sowie Beschäftigung in verschiedenen Werkstätten und einem vielseitigen landwirtschaftlichen Betrieb bietet. 


Ziel der Projektarbeit war, eine Fläche zu schaffen, die Produktion, Erholung und Genuss vereint. Agroforst kombiniert landwirtschaftliche Nutzung mit Gehölzstrukturen wie Baumreihen und Hecken, was Klima, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Erosionsschutz verbessert und zusätzliche Erträge liefert. Nach der Analyse verschiedener Systeme entschied sich die Projektgruppe gemeinsam mit dem Auftraggeber für ein agrosilvopastorales Konzept, das Bäume, Ackerbau und Tierhaltung kombiniert und die bestehende Betriebsstruktur optimal nutzt.   


In Zusammenarbeit mit Fachpersonen wurde als Ergebnis ein detaillierter Umsetzungsplan erstellt, einschliesslich Keyline-Design zur effizienten Wassernutzung (siehe Abbildung oben). Geplant wurden Futterhecken, Wertholzbäume sowie Hoch- und Niederstamm-Obstbäume, die ökologische und ökonomische Vorteile bieten. Im Rahmen einer Umsetzungsarbeit wurde der Food-Forest angelegt, ein mehrschichtiger Waldgarten mit essbaren Pflanzen, der langfristig kulinarische Rohstoffe liefert und als Bildungs- und Erholungsraum dient. Gemäss einem Pflanzplan wurden zuerst die Sträucher und dann die Stauden gepflanzt. Die Stauden wurden in sogenannten Pflanzentuffs (kleinere Gruppen) gesetzt, damit sie eine bessere Konkurrenzchance gegenüber dem Graswuchs haben. Unter den Holunder setzte die Projektgruppe beispielsweise Bärlauchzwiebeln, da Holunder ein starkes Blattwachstum hat und somit kein Graswachstum unter dem Strauch zulässt. Dadurch kann sich der Bärlauch im Vorfrühling gut entwickeln.   


Das Projekt zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft sozial, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll gestaltet werden kann. Der Dietisberg leistet damit einen Beitrag zu Klimaschutz, Wassermanagement und Ernährungssouveränität. Insgesamt verbindet das Agroforst-System Produktion, Natur- und Artenschutz sowie soziale Integration in einem zukunftsweisenden Konzept.


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Pflegekonzept für das Areal Bach in St. Fiden SG 

Das Areal Bach ist ein rund 18`500 m² grosses, unbebautes Grundstück im Osten der Stadt St. Gallen, welches sich im Eigentum der Stadt befindet. Das Grundstück zwischen Bahnhof St. Fiden und Migros Bach wurde über lange Zeit überwiegend als Abstell- oder Parkplatz genutzt. Im Rahmen der Vision «Grünes Gallustal» hat der Verein Areal Bach eine ökologische Aufwertung des Areals vorgenommen. Bis von der Stadt eine konkrete Überbauung realisiert wird, betreibt der Verein eine ökologische und soziokulturelle Zwischennutzung. Das Gelände dient heute als grüner Begegnungsort inmitten der Stadt und wird von der Bevölkerung rege genutzt.   


Seit der Aufwertung des Areal Bach sind nun einige Jahre vergangen. Die Pflege des Geländes erfolgt überwiegend durch ungeschulte Freiwillige des Vereins. An manchen Stellen ist daher eine ungewünschte Verwilderung festzustellen. Ein Projektteam des Lehrgangs setzte sich zum Ziel, eine fundierte Grundlage zu schaffen, um den ökologischen Wert des Areals Bach langfristig zu sichern und zu steigern. Das Projektteam entwickelte ein praxistaugliches Pflegekonzept, das die bisherigen Erfahrungen aufnimmt und freiwilligen Helfenden klare Orientierung gibt. Grundlage dazu bildete eine Bestandsanalyse der Vegetation und Lebensräume. Darauf basierend wurden Entwicklungsziele (siehe Abbildung unten) für verschiedene Teilflächen formuliert. Ein detaillierter Pflegeplan legt fest, wie Ruderalflächen, Magerwiesen, Hecken und Baumscheiben künftig gepflegt werden sollen, um Artenvielfalt und Strukturreichtum zu fördern. Besonders wichtig war die Förderung einheimischer Arten sowie der Verzicht auf Düngung und chemische Mittel. Zusätzlich entstand ein übersichtliches Pflegehandbuch, das die Arbeiten praxisnah erklärt.   


In einem Workshop wurde der Pflegeplan vorgestellt und erste Massnahmen gemeinsam umgesetzt. Dabei wurden drei Wildstaudenrabatten mit heimischen Pflanzen angelegt, als Beispiel für mögliche Aufwertungen. Mit Pflegekonzept, Pflegeplan und Pflegehandbuch verfügt der Verein nun über ein wirksames Instrument für die Weiterentwicklung des Areals. Eine neue Kerngruppe Biodiversität sowie die Unterstützung durch Gartenfachpersonen sichern die langfristige Umsetzung. So trägt das Projekt zu einer vielfältigen Stadtnatur und einem wertvollen Begegnungsraum für die Bevölkerung bei. 


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ElfenauPark: Ökologische und soziale Aussenraumentwicklung 

Die Stiftung ElfenauPark in Bern ist eine Institution für das Wohnen im Alter und besteht aus verschiedenen Wohngebäuden, umgeben von einer grossen klassischen Parkanlage. Im Zusammenhang mit einer anstehenden energetischen Sanierungen der Gebäude (Fassaden und Dächer) wird die Aufwertung des Aussenraums als wichtiger Bestandteil definiert.   


Ein Projektteam nahm sich dieser Aussenraumaufwertung an und setzte sich das Ziel, einen Massnahmenkatalogs zu erstellen, um die Parkanlage ökologisch und sozial aufzuwerten.   


Anfang Juli 2025 wurde eine Begehung des Geländes durchgeführt, um die ökologische Ausgangslage zu erfassen. Parallel wurde eine Befragung der Bewohnenden zu ihrem Wohlbefinden, der Nutzung des Parks und zur vorhandenen Infrastruktur durchgeführt. Die Auswertungen zeigte, dass   


  1. Der Park zwar als wertvoller Erholungsort dient, jedoch mehr Komfort, Barrierefreiheit und Rückzugsmöglichkeiten gewünscht werden.   
  2. Das ökologische Potenzial eingeschränkt, insbesondere durch einseitige Bepflanzung und invasive Arten.   


Beide Analysen bildeten die Grundlage für den Massnahmenkatalog, der den Park in sieben Bereiche gliedert und konkrete Vorschläge zu Bepflanzung, Strukturen, Zugänglichkeit und Wohlbefinden enthält. Ergänzende Themenblätter und Pflanzlisten unterstützen die praktische Umsetzung. Anfang September 2025 wurde zudem ein Teilprojekt umgesetzt: die Aufwertung des Lindenplatzes. Dabei wurden neue Stauden, Wildsträucher und Winterlinden gepflanzt und Kleinstrukturen wie Sandlinsen, Benjeshecken und Holzstämme für Wildbienen angelegt. Zudem entstand ein trittsicherer Sitzplatz unter der alten Linde. So wurde ein vielfältiger Lebensraum für Tiere und ein attraktiver Aufenthaltsort für Menschen geschaffen.


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Auch helle Köpfe haben dunkle Hallen 

Die SABAG AG verfolgt das Ziel, ihren Energiebedarf zu reduzieren und nachhaltiger zu werden. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Sanierung der bestehenden Beleuchtung in den Lagerhallen. Ein Projektteam entwickelte im Rahmen des Lehrgangs eine Strategie für energieeffiziente Beleuchtung, basierend auf der Baumateriallagerhalle (kurz BMA-Lagerhalle) in Biel. In dieser Lagerhalle sind noch Leuchtstoffröhren in Betrieb, deren Lichtstärke und Energieeffizienz ungenügend sind. Eine Bestandesaufnahme mit Lichtmessung, Energieberechnung und Mitarbeitendenumfrage zeigte Optimierungspotenziale. Technische Recherchen und ein Experteninterview bestätigten den Bedarf und gaben Hinweise zu praktikablen Lösungen. Die strategische Auswertung mittels SWOT und Bewertungsinstrument ergab klare Prioritäten. Besonders die Umstellung auf moderne LED-Systeme mit intelligenter Steuerung bietet ein Einsparpotenzial von 70–90 % beim Stromverbrauch. Gleichzeitig verbessern sich Lichtqualität, Sicherheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Förderprogramme wie ProKilowatt oder Lightbank unterstützen die Umsetzung finanziell. Die entwickelte Strategie ist praxisnah und lässt sich auf weitere Standorte der SABAG AG übertragen. Insgesamt lieferte das Projekt eine solide Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige, wirtschaftliche und zukunftssichere Beleuchtungslösung. Verbesserte Sichtverhältnisse und ergonomischere Arbeitsbedingungen erhöhen zusätzlich Produktivität und Sicherheit.


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FaunaWald Toffen: Artenvielfalt fördern 

Der Naturschutzverein faunaberna konnte Anfang 2025 in Toffen im Kanton Bern ein 1.3 Hektaren grosses Waldstück erwerben. Der Kauf unterstützt das Vereinsziel, bis 2030 insgesamt fünf Hektaren ökologisch aufzuwerten und damit heimische Lebensräume zu fördern. Faunaberna engagiert sich mit freiwilligen Pflegeeinsätzen für Natur- und Artenschutz, insbesondere für Arten wie den Feuersalamander, der bereits auf dem Nachbargrundstück gefördert wird. 


Das Ziel der Projektarbeit war, das Potenzial und die Machbarkeit des neuen Grundstücks für Biodiversitätsförderung zu bestimmen und dabei besonders Arten der Roten Liste wie Feuersalamander, Fledermäuse und Totholzkäfer zu berücksichtigen. 


Zuerst wurde eine Ist-Analyse durchgeführt. Das Projektteam fand u.a. bei einer Begehung ein Rinnsal und Quellfluren mit Kalktuffformationen. Diese sensiblen Ökosysteme müssen unbedingt geschützt und erhalten werden. Für einen Überblick über das Vorkommen von Tierarten der Roten Liste und Prioritätsarten wurden bei InfoSpecies Artenlisten für Wirbeltiere, Wirbellose, Brutvögel und Flora angefordert. 


Der separate Massnahmenkatalog ist als Arbeitsdokument gedacht, welches mit ins Feld genommen werden kann. Er enthält zur jeweiligen Massnahme einen theoretischen Kurzbeschrieb und es wird auf die Machbarkeit vor Ort, die möglichen Förderbeiträge, auf die von den Massnahmen profitierenden Arten und die Erhaltungspflege eingegangen.   


Für die praktische Umsetzung vor Ort wählte das Projektteam eine Waldrandaufwertung, der Bau von Asthaufen und das Vergrössern des Tümpels. Diese Eingriffe schufen wertvolle Strukturen für verschiedene Tierarten und reduzieren gleichzeitig Überflutungsprobleme auf angrenzenden Landwirtschaftsflächen.



3 mars 2026
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