Se rendre au contenu

Lernen ein Leben lang

Artikel verfasst von Sandra Wilhelm, Referentin für Weiterbildung
8 octobre 2026 par
anders kompetent GmbH, Sandra Wilhelm


Lernen ist mehr als nur Anpassung, denn wer lernt, gewinnt fachliche Sicherheit und mehr Gestaltungsspielraum für den eigenen Beruf und eine nachhaltige Zukunft. Sandra Wilhelm, Referentin im Lehrgang Fachperson Natur und Umwelt, Fachrichtung Umweltkommunikation, erläutert, was lebenslanges Lernen so wirksam macht und weshalb Teilnehmende des Lehrgangs nicht nur ihr Wissen erweitern, sondern auch gemeinsam ins Handeln kommen. 

In Anlehnung an Paul Watzlawicks erste Grundregel der menschlichen Kommunikation wage ich zu behaupten: «Man kann nicht nicht lernen.» Lernen begleitet uns ein Leben lang. Ob im Beruf, in der Freizeit, am Familientisch oder im Schlaf – wir entwickeln uns durch jede Situation weiter und verarbeiten ständig, was wir erleben. Und ziehen unsere Lehren daraus. 

Hinter diesem Verständnis steht eine Auffassung von Lernen, die als «informelles Lernen» bezeichnet wird. Sozusagen ein Lernen «en passant». Lernen findet also eigentlich immer statt. Und doch meinen wir eigentlich etwas anderes, wenn wir von Lernen sprechen. Lernen empfinden wir als das absichtsvolle Auswendiglernen von Inhalten oder das Lernen im strukturierten Rahmen in der Schule, unter Begleitung einer Lehrperson. Dass auch das selbständige Lesen von Fachliteratur als Lernen gilt, hätten wir vielleicht gar nicht als das bezeichnet. 

Dem Lernen haftet also durchaus etwas Leidvolles an, mit einem Muss als Motor. Sichtbar im Glaubenssatz «per aspera ad astra», was so viel bedeutet: Nur wer sich anstrengt, gelangt zur Erfüllung. Würden wir Lernen als etwas Spielerisches, als neugierige Antwort auf die Anregungen der Welt verstehen, würde diese Haltung wohl nicht entstehen. Leider berichten nicht wenige Erwachsene von mühsamen Erfahrungen mit dem Lernen. Vielleicht ist dies mit ein Grund, dass beinahe jede dritte erwachsene Person in den Ländern der OECD über geringe Grundkompetenzen in den Bereich Lesen, Schreiben und Rechnen verfügt, wie der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB zum Weltalphabetisierungstag Anfang September schreibt?

 


Erwachsene lernen anders als Kinder

Tatsächlich verliert der spielerisch-neugierige Zugang zur Welt irgendwann an Bedeutung. Mit dem Eintritt in die Schule beginnt oftmals das strukturierte Lernen, also das Lernen nach Lehrplänen nach einer bestimmten Methodik. Während kleine Kinder vor allem von ihren Bezugspersonen und ihrer Umgebung lernen (Stichwort «Lernen am Modell», also Lernen durch Nachahmung), ständig Neues entdecken und sich neugierig damit auseinandersetzen, lernen wir in der Schule zielgerichtet. Dies gilt insbesondere für Erwachsene in der formalen und non-formalen Weiterbildung, also unabhängig davon, ob für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis gelernt oder eine Weiterbildung bei einem privaten Anbieter besucht wird.

Erwachsene haben häufig ein spezifisches Ziel vor Augen, wenn sie lernen, meist geht es um ihren Umgang mit Herausforderungen im Beruf. Das ist legitim. Nicht selten ist ihre Motivation, sich beruflich neu auszurichten, eine bevorstehende Beförderung oder der Wunsch, eine neue Sprache zu lernen, weil sich die Firma international neu aufgestellt hat. Es sind somit zumeist externe Faktoren, die eine Erneuerung von Wissen und die Aktualisierung von Kompetenzen verlangen. Oder biographische Ereignisse und Umbrüche im Leben. Dabei ist die Herausforderung, liebgewonnene Ansichten oder Fähigkeiten umzulernen. Bei Erwachsenen steht also das Anpassungslernen im Vordergrund.


Der Ruf nach lebenslangem Lernen

Der Bildungsbericht 2026 stützt die Beobachtung, dass Erwachsene meistens aus beruflichen Gründen Weiterbildungsangebote nachfragen. Sie suchen nach Möglichkeiten, sich die für den Arbeitsmarkt nötigen Kompetenzen anzueignen, um mit dem Wandel Schritt zu halten. Die 17 Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung machen sichtbar, dass die globale Gesellschaft heute mit zahlreichen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dringlichkeiten konfrontiert ist, die nach neuen Kompetenzen rufen. Insbesondere die aktuellen Herausforderungen im Bereich der digitalen und grünen Transformation, häufig als «twin transition» umschrieben, führen zu einer Veränderung der benötigten Kompetenzen. Das Konzept des «Lebenslangen Lernens» darf als Antwort interpretiert werden, auf derartige Herausforderungen reagieren zu können.

Die OECD und die UNESCO prägen seit den 1970er-Jahren neben dem Europarat wesentlich die Diskussionen um Lebenslanges Lernen. So wird Lebenslanges Lernen als alles Lernen während des gesamten Lebens definiert, das der individuellen Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient. Diese Ausrichtung impliziert gleichzeitig, dass Lebenslanges Lernen in erster Linie der Optimierung und der ständigen Anpassungsfähigkeit dient. Insbesondere an die beschriebenen ökonomischen und technologischen Entwicklungen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Lebenslanges Lernen als Haupttriebkraft für Entwicklung.

Ich meine, dass dies ein verkürzter Blick auf Zukunft ist. Lernen braucht nicht immer blosse Reaktion auf herausfordernde Problemlagen zu sein. Eine Motivation für Lernen könnte auch sein, an der Gestaltung der Zukunft aktiv und verantwortungsbewusst teilhaben zu wollen und zu können. Lebenslanges Lernen befähigt dann, die bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Dies ist im Kern emanzipatorische Bildung. 


Spannungsfeld zwischen Employability und Emanzipation

Verstehen wir Zukunft also als Herausforderung oder als Gestaltungsraum? Dies jedenfalls fragt Helen Buchs von TRANSIT, dem Think Tank für die Zukunft der Weiterbildung. Für sie ist längst sichtbar, dass sich der Fokus vom reinen Verwendungszweck von Lernen für die eigene Arbeitsmarkttauglichkeit verschieben muss: Betrachtet man die globalen Trends, scheint es nötig zu sein, in komplexen, widersprüchlichen und unsicheren Situationen urteils- und handlungsfähig zu sein bzw. zu bleiben. In Situationen, in denen die Demokratie unter Druck ist, erst recht. Die berufliche Weiterbildung ist im Rahmen dieser Herausforderung entsprechend gefragt, wenn das lebenslange Lernen transformativ werden soll.


Wirksame Lernumgebungen

Viele Weiterbildungsangebote gehen noch immer von einem instruktiven Bildungsverständnis aus, obwohl heute dessen begrenzte Wirkung bekannt und alternative Ansätze erprobt sind. Eine aktivierende, praxisnahe Lernumgebung ist massgeblich für den Lernerfolg, wenn Lernen einen Effekt haben soll und wenn damit Employability und Emanzipation gemeint sind.

Hierfür helfen gut strukturierte Lernumgebungen, erfahrungsbasiertes Lernen und 'Probehandeln', um die gesetzten Lernziele zu erreichen. Die Motivation spielt hierfür eine entscheidende Rolle, wie Edward Deci und Richard Ryan betonen. Wenn Kompetenzerfahrung, soziale Eingebundenheit und Autonomie ermöglicht sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sich aus der Komfortzone in die Lernzone zu bewegen. 

Die Weiterbildung Fachperson Natur und Umwelt mit eidg. Fachausweis der sanu ist ein entsprechendes Angebot, das auf den Bedarf des Lebenslangen Lernens in beiden, geforderten Facetten antwortet. Einerseits werden Perspektiven für den Arbeitsmarkt erweitert. In der Weiterbildung stärken die Teilnehmenden ihre eigenen Kompetenzen und gewinnen fachliche Sicherheit für neue berufliche Herausforderungen. Auf der anderen Seite ist das Lernen und das Qualifikationsverfahren so organisiert, dass die Teilnehmenden zusammen handeln und so erfahren, dass sie gemeinsam Wirkung erzeugen: In Lerngemeinschaften, die von der Heterogenität der Teilnehmenden profitieren, realisieren sie eigene Umweltprojekte, stossen dadurch positive Veränderungen in ihrem (künftigen beruflichen) Umfeld an und vergrössern ihr eigenes Netzwerk. So hilft die Weiterbildung den Teilnehmenden, die vermittelten Inhalte auf eine praxisnahe Weise zu integrieren. Und die Teilnehmenden wiederum kommen ins Handeln und stärken ihr Engagement. Und dann ist Lernen sinnstiftend und macht sichtlich auch Spass!

Möchten Sie Neues lernen und dabei Wirkung erzeugen? Im Lehrgang Fachperson Natur und Umwelt mit eidg. Fachausweis, Fachrichtung Umweltkommunikation, erweitern Sie Ihre beruflichen Perspektiven und realisieren gemeinsam mit anderen Teilnehmenden eigene Umweltprojekte oder -kampagnen.

Jetzt Kommunikationsprofi werden und Umweltfachwissen vertiefen: Besuchen Sie unsere nächste Infoveranstaltung.


     



Über Sandra Wilhelm

Sandra Wilhelm hat Pädagogik, Umweltwissenschaften und Umweltpsychologie studiert und mehrere Jahre als Dozentin und Beraterin für Bildung für Nachhaltige Entwicklung gearbeitet. Daneben hat sie ein eidg. Diplom als Ausbildungsleiterin erworben und sich ab 2018 mit ihrer Firma «anders kompetent GmbH» selbstständig gemacht. Ihre Arbeit ist dabei stets auf die Förderung von Transformationskompetenzen ausgerichtet.


 

Partager cet article