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Welchen Nutzen bringt Umweltmanagement für Unternehmen?

Interview mit Lara Hahn, Projektleiterin für nachhaltige Entwicklung bei der SABAG AG
20. August 2026 durch
Heidi Hofmann
Diese Frage haben wir Lara Hahn gestellt. Sie ist «Projektverantwortliche Nachhaltigkeit» beim Bieler Unternehmen SABAG und war letztes Jahr als Auftraggeberin für ein Projekt zum Thema «Energieeffiziente Beleuchtung in den Lagerhallen» im Rahmen des Lehrgangs Projektmanagement Natur und Umwelt tätig. Sie weiss: Umweltmanagement ist längst kein Nischenthema mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Aufgabe für Schweizer Unternehmen jeder Grösse. In ihrem Bericht erläutert sie, weshalb diese Arbeit so wichtig ist, wie sich entsprechende Massnahmen im Unternehmensalltag konkret umsetzen lassen und welche Herausforderungen sich dabei stellen:

« Die kritische Betrachtung von Energieverbräuchen, fossilen Energieträgern oder Abhängigkeiten in Lieferketten, die zunehmend von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden, verbreitert den Blickwinkel im Unternehmen.Während für lange Zeit der Blick vor allem auf finanzielle Kennzahlen gerichtet war, macht Umweltmanagement nun auch die Zusammenhänge sichtbar, die hinter diesen Zahlen stehen. Dadurch werden nicht nur Risiken früher erkannt, sondern auch Potenziale zur Effizienzsteigerung. Ob durch ein optimiertes Abfallmanagement, effizientere Transporte, einen geringeren Energieverbrauch oder den bewussteren Einsatz von Ressourcen – Umweltmanagement hilft Unternehmen häufig dabei, Kosten zu senken und gleichzeitig ihre Umweltbelastung zu reduzieren. Es schafft Transparenz über diese Zusammenhänge und unterstützt Unternehmen dabei, fundierte Entscheidungen für eine wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Zukunft zu treffen.Gleichzeitig signalisiert die aktive Auseinandersetzung mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern, dass Verantwortung übernommen wird und man sich bewusst mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigt. Das schafft Vertrauen, stärkt die Resilienz des Unternehmens und positioniert es als verlässlichen Partner in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit und Veränderung geprägt ist.»

Die wichtigsten Zahlen in Kürze
Abbildung 1: Neben finanziellen Kennzahlen tragen auch Faktoren wie Energieverbrauch, Emissionen, Altersstruktur und Diversität dazu bei, die Entwicklung unseres Unternehmens ganzheitlich zu beurteilen.

 

1.Wie bist du zum Thema Nachhaltigkeit gekommen?

«Mein beruflicher Weg begann mit der Ausbildung zur Kauffrau EFZ. Schon damals hat es mir Spass gemacht, Prozesse zu analysieren, Zusammenhänge zu verstehen und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Ich hinterfrage gerne bestehende Abläufe und suche nach Lösungen, die effizienter oder sinnvoller sind. Entsprechend gehört "Das haben wir schon immer so gemacht" zu meinen unbeliebtesten Sätzen – denn oft steckt gerade dort grosses Potenzial für Veränderungen.

Während meines Betriebswirtschaftsstudiums mit Vertiefung "Sustainable Business" bin ich intensiver mit Nachhaltigkeitsthemen in Berührung gekommen. Dabei wurde mir bewusst, dass sich mein Wunsch, einen positiven Beitrag für die Zukunft zu leisten, mit meinem Interesse an Unternehmen und deren Weiterentwicklung verbinden lässt. Nachhaltigkeit bedeutet für mich nicht nur Umweltschutz, sondern auch die Frage, wie Unternehmen langfristig erfolgreich wirtschaften und gleichzeitig Verantwortung übernehmen können.»

2.Einblick in deinen Berufsalltag

«Mein Berufsalltag ist sehr abwechslungsreich. Dabei orientiere ich mich an der Nachhaltigkeitsstrategie unserer Gruppe und den darin definierten Schwerpunkten und Verpflichtungen. Zu meinen Aufgaben gehören die Datenerhebung, die Auswertung von Kennzahlen sowie die Entwicklung und Umsetzung von Massnahmen.

Nachhaltigkeitsbericht_2024_Aktionsplan
Abbildung 2: Die strategischen Schwerpunkte sind in einem internen Aktionsplan konkretisiert.

Im Umweltbereich erstellen wir beispielsweise alle zwei Jahre eine CO₂-Bilanz. Dafür erhebe ich intern Daten zu Abfallmengen, Energieverbräuchen oder Transporten. Da viele dieser Informationen bei der SABAG bislang nicht systematisch erfasst wurden, gehört es auch zu meinen Aufgaben, die dafür notwendigen Datengrundlagen und Prozesse aufzubauen.

Da diese Funktion bei der SABAG im 2024 neu geschaffen wurde, prägt Aufbauarbeit meinen Arbeitsalltag stark. Prozesse, Verantwortlichkeiten und Abläufe müssen definiert und neue Anforderungen in bestehende Strukturen integriert werden. Dabei arbeite ich eng mit den unterschiedlichsten Bereichen zusammen – von der Logistik über den Einkauf bis hin zum Produktmanagement und Marketing.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die interne und externe Kommunikation. So habe ich beispielsweise die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit regulatorischen Vorgaben abgeglichen, den Umfang des Reportings definiert und dessen Umsetzung begleitet – von der Texterstellung über die Bildauswahl bis zur Veröffentlichung. Auch die Erstellung von LinkedIn-Beiträgen oder die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für Nachhaltigkeitsthemen gehören in Zusammenarbeit mit unserem Marketing zu meinem Aufgabenbereich. Dank der Zusammenarbeit mit sanu und dem Projektteam des Lehrgangs Projektmanagement Natur und Umwelt durften wir letztes Jahr als wichtige Erkenntnisse bezüglich energieeffizienter Beleuchtung gewinnen (Siehe LinkedIn-Beitrag).

Über all diese Tätigkeiten hinweg spielen Change-Management und Stakeholder Management eine wichtige Rolle. Nachhaltigkeit bedeutet oft, bestehende Denk- und Arbeitsweisen zu überdenken und weiterzuentwickeln. Dabei ist es wichtig, unterschiedliche Anspruchsgruppen einzubeziehen, Erwartungen zu koordinieren und Veränderungen verständlich zu vermitteln. Genau diese Mischung aus Analyse, Kommunikation und Organisationsentwicklung im KMU-Umfeld macht meinen Berufsalltag besonders vielseitig.»

3.Aktuelle Umweltthemen, an denen ihr arbeitet

«Durch unsere gruppenweite CO₂-Bilanz haben wir wichtige Erkenntnisse über die grössten Emissionstreiber gewonnen. Wenig überraschend zählen dazu Transporte, Pendelverkehr, Energie und Abfälle. Die Analyse zeigt, dass unsere Gesellschaften ohne gezielte Massnahmen ihre klimakompatiblen CO₂-Budgets innerhalb der nächsten 8 bis 14 Jahre aufbrauchen würden.

Für uns ist das ein klarer Anstoss zum Handeln. Deshalb gehen wir die identifizierten Handlungsfelder nun Schritt für Schritt an und lancieren konkrete Projekte. Dazu gehören beispielsweise Mobilitätsprogramme für unsere Mitarbeitenden, die Optimierung von Transporten und Logistik, der Ersatz fossiler Heizsysteme sowie weitere Massnahmen zur Reduktion unserer Umweltbelastung.»

4.Was fasziniert dich an deiner Tätigkeit?

«Besonders spannend finde ich die Verbindung von Umwelt, Wirtschaft und Veränderungsmanagement. Nachhaltigkeit ist kein isoliertes Fachthema, sondern betrifft alle Bereiche eines Unternehmens. Um wirksame Veränderungen zu erzielen, braucht es nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, Menschen zu mobilisieren, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und neue Wege aufzuzeigen. Genau diese Kombination macht meine Tätigkeit so abwechslungsreich und sinnstiftend. Ich kann dazu beitragen, Unternehmen zukunftsfähiger zu machen und gleichzeitig einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft zu leisten.»

Laras Einblicke zeigen, wie Nachhaltigkeit den Alltag bei SABAG prägt. Weitere Informationen zu den Nachhaltigkeitsprojekten finden sich im Nachhaltigkeitsbericht 2025


Über die SABAG

Die SABAG wurde 1913 in Biel gegründet und wird heute in vierter Generation von der Inhaberfamilie geführt. Als Grosshändlerin für Baumaterialien und Innenausbauprodukte besteht die SABAG Holding aus sieben eigenständigen Gesellschaften mit Ausstellungen und Profishops in nahezu der ganzen Schweiz. Im Jahr 2024 hat die SABAG ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung eingeführt. Seither veröffentlicht das Unternehmen jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht sowie alle zwei Jahre eine CO₂-Bilanz, um seine Fortschritte und Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit transparent aufzuzeigen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website von SABAG Biel/Bienne AG.
Über Lara Hahn
Lara Hahn arbeitet seit 2024 als Projektverantwortliche Nachhaltigkeit bei der SABAG Gruppe. Letztes Jahr durfte eine Gruppe des Lehrgangs Projektmanagement Natur und Umwelt (heute: Fachperson Natur und Umwelt, Fachrichtung Umweltmanagement) ein Projekt für die SABAG Biel/Bienne AG zu energieeffizienter Beleuchtung in Lagerhallen durchführen, welches Lara Hahn als Auftraggeberin begleitete. 





Umweltmanagement: Mehr als Zahlen und Berichte

Die Alltagserfahrungen von Lara Hahn zeigen eindrücklich: Umweltmanagement ist weit mehr als das Erfassen von Kennzahlen oder das Erstellen von Nachhaltigkeitsberichten. Erfolgreiches Umweltmanagement verbindet fundiertes Umweltfachwissen mit Kommunikationsstärke, Projektmanagement und Change-Kompetenz. Es geht darum, Menschen zu motivieren, unterschiedliche Anspruchsgruppen einzubeziehen und gemeinsam nachhaltige Veränderungen zu gestalten.
Gerade diese Verbindung aus Fachwissen und Wirkung macht die Arbeit im Umweltmanagement so sinnstiftend – sowohl auf persönlicher Ebene als auch für Unternehmen, die ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft wahrnehmen wollen.
Hier setzt unsere sanu-Weiterbildung «Fachperson Natur und Umwelt mit eidg. Fachausweis» an. Die Teilnehmenden erwerben praxisnahes Umweltwissen sowie Kompetenzen in Projektmanagement und Kommunikation. Damit werden sie befähigt, in ihrem beruflichen Umfeld konkrete Nachhaltigkeitsprojekte umzusetzen und die nachhaltige Entwicklung aktiv voranzutreiben.

Im August starten wir. Während eines berufsbegleitenden Jahres bereiten wir die Teilnehmenden gezielt auf die eidgenössische Berufsprüfung Fachfrau/Fachmann Natur und Umwelt, Fachrichtung Umweltmanagement, vor – und unterstützen sie dabei, zu wirkungsvollen Gestalterinnen und Gestaltern einer nachhaltigen Zukunft zu werden.

Blog Projekt 

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