Wegweisende Erkenntnisse aus unserer neuen CO2-Bilanz

Wie sanu ein Drittel CO2- Emissionen in 5 Jahren einsparen konnte

Die systematische Erfassung und Reduktion von CO₂-Emissionen ist für ein Unternehmen heute weit mehr als ein optionaler Bestandteil des eigenen Umweltmanagementsystems. Sie ist eine wichtige Basis für ein zukunftsfähiges Risikomanagement – und zugleich eine Chance, Effizienzpotenziale zu nutzen und die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken.


Ein Drittel weniger CO₂-Emissionen

In einer CO₂-Bilanz werden alle Emissionen eines Unternehmens systematisch erfasst, um Emissionsquellen zu identifizieren und zu bewerten. Rund alle fünf Jahre lassen wir eine CO₂-Bilanz erstellen, um die Entwicklung unserer Emissionen zu verfolgen und gezielt Massnahmen abzuleiten. Die letzte Bilanz wurde 2019 erstellt, nun liegen die von Climate Services erarbeiteten Ergebnisse von 2024 vor. 


Zwischen 2019 und 2024 konnte sanu seine Gesamtemissionen von 99.1 auf 67.1 Tonnen CO2 reduzieren – was einem Rückgang von rund einem Drittel entspricht. Die signifikante Reduktion der Emissionen wurde trotz eines moderaten Anstiegs der Vollzeitäquivalente (von 16,5 im Jahr 2019 auf 22 im Jahr 2026), einer Umsatzerhöhung von drei auf vier Millionen sowie einer konstanten Anzahl an Kursteilnehmenden erreicht. 


Viele unserer Unternehmensbereiche verursachen nur geringe Emissionen und zeigen seit 2019 kaum Veränderungen – umso stärker fallen die deutlichen Einsparungen beim Wärmeverbrauch ins Gewicht. Fast die Hälfte aller direkten und indirekten Emissionen von sanu entfallen auf die Kundenmobilität. 




Abb. 1: Vergleich der CO2-Äquivalente nach Unternehmensaktivitäten (2019 und 2024) (Quelle: Climate Services, 2026) 



Die grössten Emissionstreiber im Fokus


Wärmeproduktion

Die Wärmeproduktion verursachte 2019 mit 59.6 t CO2 rund zwei Drittel der gesamten CO2-Emissionen von sanu. Dieser Anteil konnte in den letzten fünf Jahren massiv reduziert werden – die Gebäudeheizung verursachte 2024 nur noch 19.1 t CO2. Der vor einigen Jahren erfolgte Heizungsersatz, die umfassende Gebäudesanierung sowie der Einbau neuer Fenster wirken sich deutlich positiv auf die Emissionsbilanz aus. Das von sanu gemietete und im Besitz der Stadt Biel befindliche Gebäude wird zwar weiterhin mit Erdgas beheizt. Mittelfristig ist der Anschluss an ein Fernwärmenetz geplant.


Kundenmobilität

Eine präzise Berechnung der Kundenmobilität – sprich die je Transportmittel für den Kursbesuch zurückgelegten Distanz – ist nicht möglich. Die Werte beruhen auf einer systematischen Erhebung der Art der Mobilität sowie auf Stichproben und Hochrechnungen für die absolvierten Distanzen.


Die Kundenmobilität verursacht mit 31.8 t CO2 eq fast 50 % der gesamten CO2-Emissionen von sanu. Obwohl nur rund 20 % der Kilometer mit dem Auto zurückgelegt werden, entfallen 99 % der durch die Kundenmobilität verursachten Emissionen auf dieses Transportmittel. Emissionsarme Verkehrsmittel wie Bahn oder Fahrrad fallen demnach nicht ins Gewicht. Wie bereits in Abb. 1 erwähnt, ist der deutliche Emissionsanstieg bei der Kundenmobilität auf eine Änderung der Berechnungsgrundlagen bei den Autokilometern zurückzuführen. Die zurückgelegten Kilometer sind gegenüber 2019 leicht gesunken.



Abb. 2: Hochrechnung Kundenmobilität in zurückgelegten Kilometern und tCO2 eq pro Transportmittel (Quelle: Climate Services, 2026) 



Abb. 3: Anteil an den Gesamtemissionen nach Unternehmensaktivitäten (Quelle: Climate Services, 2026) 


Büromaterial

Der Einkauf von Büromaterial trägt rund 8 % zu den Gesamtemissionen bei. Besonders relevant sind externe Druckaufträge sowie die Anschaffung von IT-Geräten. Dank weitgehendem Verzicht auf gedruckte Kursunterlagen und digitalem Marketing liessen sich die Emissionen von 10.8 t CO2 auf 5.7 t CO2 reduzieren. Die im Rahmen von Green IT ergriffenen Massnahmen wie die systematische Erhöhung der Lebensdauer von IT Geräten, vermehrtes Homeoffice sowie die Reduktion der Anzahl Bildschirme und Headsets zeigen ebenfalls erste Wirkung.   


Eventverpflegung

Obwohl in der Bilanz 2024 deutlich mehr Mahlzeiten einkalkuliert wurden als 2019, sind die durch die Verpflegung der Teilnehmenden verursachten Emissionen gleichgeblieben. Sie betragen 4.9 t CO2 und machen damit 7% der Gesamtemissionen aus. Die Umstellung auf eine weitgehend vegetarische Mittagsverpflegung zeigt erfreulicherweise eine deutliche Wirkung. 



Abb. 4: Art der Mahlzeiten und deren Anteil an den verpflegungsbedingten Emissionen (Vergleich 2019 und 2024) (Quelle: Climate Services, 2026)   


Geschäftsreisen und Pendlerfahrten 

Der durch die Covid-19-Pandemie verursachte Digitalisierungsschub hat dazu geführt, dass viele früher vor Ort durchgeführte Sitzungen und Kursvorbesprechungen in den virtuellen Raum verlegt wurden und vermehrt im Homeoffice gearbeitet wird. Dadurch konnten sowohl unsere Geschäftsreisen wie auch die Pendlerfahrten der Mitarbeitenden reduziert werden, was sich positiv in der CO2-Bilanz niederschlägt. Während Geschäftsreisen und Pendlerfahrten 2019 noch rund 1.7 t CO2 verursachten, lag der Wert im Jahr 2024 bei 1.4 t CO2. 


Schlussfolgerungen und Risikominimierung 

Die CO2-Bilanz dient dazu, unsere Emissionen zu erfassen und die Hauptquellen sowie deren relative Bedeutung zu identifizieren. In vielen Betrieben liegt das Hauptaugenmerk auf den Scope 1 Emissionen (Betriebliche Anlagen und Ausrüstung sowie Firmenfahrzeugen). Gerade Dienstleistungsunternehmen müssten ihre Massnahmen jedoch viel stärker auf die Reduktion der Scope 3 Emissionen richten (vor- und nachgelagerte Prozesse, Kundenmobilität, Verpflegung etc.), weil diese deutlich mehr ins Gewicht fallen.   


Die Ergebnisse ermöglichen uns, bestehende Umweltziele zu reflektieren und sie gegebenenfalls anzupassen sowie allfällige neue Ziele zu definieren. Dabei lohnt es sich auch, langfristige Massnahmen auf dem Radar zu haben, die ausserhalb des eigenen Einfluss- und Handlungsbereichs zu sein scheinen. Dank gutem Einvernehmen mit der Gebäudeeigentümerin und eigenem finanziellem Engagement bei der Gebäuderenovation konnten wir eine massive Reduktion der durch die Gebäudeheizung verursachten CO₂-Emissionen erreichen.


Für sanu liegt es nun nahe, die Kundenmobilität genauer zu analysieren: Wie können wir diese präziser erfassen? Und vor allem: Wie schaffen wir es, ihre Umweltauswirkungen in den nächsten Jahren spürbar zu senken? Daneben werden wir uns weiterhin mit den Themen Green IT, nachhaltige Kundenverpflegung und Beschaffung auseinandersetzen. 


Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Papierverbrauch noch jährlich erhoben werden soll, wenn praktisch nur noch mit elektronischen Kursunterlagen gearbeitet wird und Marketing und Kommunikation grösstenteils elektronisch erfolgen. 


Einerseits gilt es dort anzusetzen, wo die grossen Relevanzen und Hebel sind. Andererseits wollen wir auch kleine Handlungsspielräume bewusst nutzen und uns im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses – orientiert am PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) – Schritt für Schritt weiterentwickeln. Die Mitarbeitenden sollen dabei aktiv eingebunden und sensibilisiert werden. Nur wenn sie die Zusammenhänge sehen und die Massnahmen mittragen, lassen sich auch bei unseren jährlich um die 3’000 Kundinnen und Kunden Multiplikatoreffekte erzielen. 


Wollen wir die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen aktiv angehen, müssen wir uns neben den physischen Risiken (u.a. häufigere und schwerere Unwetterereignisse) auch mit den Transitionsrisiken (u.a. veränderte Kundenanforderungen, Reputationsrisiken, strengere rechtliche Anforderungen) auseinandersetzen. Daraus lässt sich z.B. mit Hilfe einer doppelten Materialitätsmatrix die Risikogefährdung ableiten. Wer heute handelt, reduziert nicht nur Emissionen, sondern auch Risiken – und positioniert sich erfolgreich für die Zukunft. Wir gehen voller Tatendrang und mit neuen Ideen voran. 



Abb. 5: Transitionsrisikomanagement (Quelle: Climate Services, 2026) 

Wegweisende Erkenntnisse aus unserer neuen CO2-Bilanz
sanu future learning ag, Claudia Vogt 28. April 2026
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