Green-IT: Unmöglich?

Nope. Nur erstaunlich logisch.

Ich sag’s ehrlich: Am Anfang war ich skeptisch. Green-IT klang für mich wie ein weiteres Marketing-Wort, das irgendwer erfunden hat, damit man an Kongressen etwas Schlaues sagen kann. Denkt man an Platinen voller seltener Metalle, riesige Rechenzentren, unseren Streaming- und Doomscrolling-Dauerbetrieb, die endlose Flut an Apps und Cloud-Diensten, wirkt Green IT schnell wie ein Rundungsfehler. Erst recht, wenn inzwischen jeder Text von KI geschrieben wird, ist doch der eigene Beitrag weniger Wert als ein Tropfen auf den heissen Stein.


Dachte ich zumindest. Turns out: überraschend falsch. Denn der eigentliche Aha-Moment war simpel:


Bei sanu hat sich gezeigt, dass Green‑IT in vielen Fällen einfach gute IT ist.


Früher sass jede*r vor zwei Monitoren, einem separaten Tischtelefon, dem legendären Adapter-Zoo und einer Hardware-Sammlung, die eher wie ein kleiner Serverraum als ein Arbeitsplatz wirkte. Heute arbeiten wir mit einem einzigen Monitor, einem USB-C-Kabel und Telefonie über Laptop oder eigenes Handy. Weniger Strom, weniger Supportfälle, weniger Kabelsalat und bei durchschnittlich 15 Personen, die täglich vor Ort acht Stunden arbeiten, ist weniger plötzlich viel mehr.


Auch bei der Hardware-Lebensdauer haben wir einen Realitätscheck gemacht: Der grösste ökologische Schaden entsteht nicht beim Gebrauch, sondern bei der Herstellung. Also laufen unsere MacBooks heute sechs statt vier Jahre, funktionierende Geräte bleiben im Einsatz, statt im Weiterverkauf oder im Elektroschrott zu landen, und viele Mitarbeitende nutzen lieber ihre privaten Kopfhörer, was Material, CO₂ und nebenbei ein paar Supporttickets spart.


Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Vor Kurzem haben wir unsere Unifi Dream Machine direkt per XGSPON-Modul ans Internet angebunden, das separate Modem ist damit überflüssig geworden. Technisch war das vor allem ein spannendes Infrastruktur-Upgrade, nebenbei fallen aber auch ein Gerät, ein Stromverbraucher und eine mögliche Fehlerquelle weg.


Bei der Gelegenheit haben wir auch einen alten Server abgeschaltet, der eigentlich nur aus Tradition noch lief, so nach dem Motto: "Vielleicht brauchen wir ihn ja irgendwann noch." Die selten genutzten Daten liegen jetzt im internen NAS‑Backup.


Die Grundidee ist simpel: Infrastruktur sollte nur laufen, wenn sie auch wirklich gebraucht wird.


Viele denken Cloud = grün. Ganz so einfach ist es nicht. Je weniger Daten dort liegen, desto weniger Energie wird verbraucht. Deshalb gibt es bei uns jedes Jahr im Dezember eine kleine Archivklausur: abgeschlossene Projekte runter vom SharePoint, ab aufs interne NAS und aus der Cloud gelöscht. Heute liegen rund 70% unserer Daten lokal und etwa 30% in der Cloud. Das verbessert die CO₂-Bilanz und spart nebenbei Kosten.


Und dann ist da noch die Zukunft. Unser CRM läuft aktuell noch in der Google Cloud, wo der Datenstandort eher mystery box als transparent ist. Darum prüfen wir ein Hosting in der Schweiz, ökologischer und datenschutzfreundlicher. Ähnliches gilt für die Frage, wie wir langfristig mit Microsoft umgehen und ob Schweizer Alternativen realistisch sind. Da liegt noch einiges an Potenzial.


Keine Server, die mit Alpenluft laufen. Keine magische Technologie. Sondern viele kleine, pragmatische Entscheidungen: weniger Geräte, längere Nutzung, weniger Daten in der Cloud. Und vor allem: Menschen, die verstehen, welche Auswirkungen IT überhaupt hat. Denn sobald dieses Bewusstsein da ist, werden viele Entscheidungen automatisch nachhaltiger.


Und wenn 30 Menschen jeden Tag ein bisschen weniger IT-Ballast produzieren, dann ist das am Ende eben doch nicht nur ein Rundungsfehler.


Foto von Ludovico Ceroseis auf Unsplash

Green-IT: Unmöglich?
sanu future learning ag, Demian Ghazarian 28. April 2026
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