Neo… was? Neophyten!

Das Wort «Neophyten» gehört immer häufiger zum allgemeinbekannten Vokabular, doch nicht immer alle wissen, was es tatsächlich heisst.

Dass es übersetzt "neue Pflanze" bedeutet und so praktisch alle Pflanzenarten bezeichnet werden, welche erst seit der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 bei uns in Europa unabsichtlich eingeschleppt oder bewusst eingeführt wurden, ist vielen bekannt. Dass man Neophyten meist negativ konnotiert, ist auch nicht neu. Doch sind Neophyten tatsächlich so "schrecklich" wie ihr Ruf? Die Antwort lautet Jein.

Einige sehr wichtige und kaum wegzudenkende Kultur- und Nutzpflanzen, wie beispielsweise die Kartoffel aus der Familie der Nachschattengewächse oder die Maispflanze, eine Süssgräserart, stammen beide aus dem amerikanischen Kontinent und gelten somit als Neophyten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass in der Schweiz von den 4’000 vorkommenden Wildpflanzenarten ca. 750 exotische Arten, also Neophyten sind? (Quelle: Infoflora

Problematisch werden Neophyten erst dann, wenn sie als invasiv bezeichnet werden. Dafür muss sich die entsprechende Neophytenart sehr rasch etablieren und ausbreiten können und dabei der einheimischen Flora schaden. Dies führt zu einem mehr oder weniger drastischen Rückgang der Biodiversität – auch in der Schweiz. Zurück zu den Zahlen also: die in der Schweiz vorkommenden invasiven Neophyten machen mit 88 Pflanzenarten knapp 12% der exotischen Arten und 2.2 % der Gesamtflora aus. (Quelle: Infoflora)

Übrigens: was ist denn mit Pflanzenarten, die sogar schon vor 1500 eingeführt wurden (bspw. durch die Römer)? Diese exotischen Arten werden als «Archäophyten» bezeichnet und konnten sich auch ohne die Unterstützung des Menschen in der Natur vermehren und ausbreiten. 

Welche Neophyten sind nun also problematisch? 

Die Aussage «alle 88 invasiven Arten sind problematisch» wäre sicherlich zu pauschal. Es gibt tatsächlich einige Arten, die auch in unseren Privatgärten vorkommen und bei denen gewisse Bekämpfungsmassnahmen im Falle kleiner Bestände wirkungsvoll sein können. Infoflora bietet eine sehr übersichtliche und klar strukturierte Auflistung, dabei wird zwischen invasiven Arten, die nachweislich Schäden in der Umwelt verursachen und potenziell invasiven Arten, bei denen von einem Schaden auszugehen ist, unterschieden. 

Arten, welche sehr oft in unseren Gärten vorkommen und eindeutige Schäden anrichten, sind bspw. der Schmetterlingsstrauch (Buddleija davidii), das drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), der Staudenknöterich (Reynoutria japonica) oder die Kanadische Goldrute (Solidago canadiensis). Ebenfalls zu dieser Liste gehören Baumarten wie der aus China stammende und unangenehm riechende Götterbaum (Ailanthus altissima), der Essigbaum (Rhus typhina) und die für die Qualität ihres Holzes geschätzte Robinie (Robinia pseudoacacia), oft auch als «falsche Akazie» bezeichnet.


Die Kanadische Goldrute

Wussten Sie zudem, dass in der Zwischenzeit sogar Bambus-Arten, nämlich der Goldrohrbambus (Phyllostachys aurea) und der Japanische Bambus (Pseudosasa japonica), als schädlich und invasiv eingestuft werden? Bambus ist in Privatgärten sehr beliebt, da es sich um eine schnellwüchsige Pflanze handelt, die dichten Sichtschutz bietet, sehr oft aber in der freien Natur verwildert und schnell sehr grosse Bestände bilden kann. 


Der Goldrohrbambus

Warum sind sie so schädlich?  

Das grösste Problem der invasiven Neophyten ist die Verdrängung der einheimischen Flora und die Abnahme der Artenvielfalt. Sie sind meist sehr schnellwüchsig, konkurrenzstark, anpassungsfähig und da sie ursprünglich aus anderen Kontinenten stammen, gibt es hierzulande keine oder kaum natürliche Feinde, welche das Vorkommen dieser invasiven Pflanzen auf natürliche Weise regulieren können. Bei grossen Neopyhtenbeständen kann es ausserdem zu einer Destabilisierung der Bodenstruktur kommen, was zu erhöhter Erosion führen kann.  

Arten wie die Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) oder der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) sind nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Menschen problematisch. Die Ambrosie produziert bspw. eine hohe Zahl an sehr kleinen Pollen, somit ist das allergene Potential dieser Pflanze um ein Vielfaches höher als bei anderen Arten. Durch die relativ späte Blüte im August und September wird die Pollensaison entsprechend verlängert. Beim Riesenbärenklau ist hingegen die hohe Toxizität des Pflanzensafts problematisch: wenn man mit nackter Haut die Stängel, die Blätter oder die Blüte berührt und anschliessend an die Sonne geht, können schwere Verbrennungen (bis 2. Grades) entstehen. Dieser phototoxische Effekt kann sogar 48 Stunden nach dem Kontakt mit der Pflanze hervorgerufen werden.   


Der Riesenbärenklau

Und was kann man oder soll man tun? 

Viele Kantone und Gemeinden orientieren sich an der Nationalen Strategie zu invasiven gebietsfremden Arten (BAFU 2016) und setzen regelmässig Bekämpfungsmassnahmen und Kampagnen gegen invasive Neophyten um. Auch als Privatperson kann aber sehr viel bewirkt werden, insbesondere deswegen, weil in den Privatgärten die Gemeinde nicht eingreifen darf. Folgende Punkte können Sie also berücksichtigen: 

  • Achtung beim Kauf von Pflanzen: gewisse Arten sind in der Schweiz verboten und bei anderen wird vom Cercle Exotique (Organisation verschiedener kantonaler Fachstellen zu exotischen Arten) empfohlen, auf den Kauf zu verzichten. Hier finden Sie eine Liste.
  • Falls Sie Neophytenarten als Zierpflanzen haben: entfernen Sie die Blütenstände vor der Fruchtbildung! 
  • Entsorgen Sie die Pflanzenabfälle ordnungsgemäss. Konkret heisst dies: fortpflanzungsfähiges Pflanzenmaterial (also mit Samen, Blüten, Wurzeln und Rhizome) am besten direkt in die Kehrichtverbrennungsanlage und nicht kompostieren. Beim Japanische Staudenknöterich gilt dies auch für nicht fortpflanzungsfähiges Material.  
  • Bekämpfungsmassnahmen gegen die Ambrosie stets mit einem Mund- und Nasenschutz durchführen, um das Einatmen der feinen Pollen zu vermeiden. 
  • Bekämpfungsmassnahmen gegen den Riesenbärenklau stets mit persönlicher Schutzausrüstung (Ganzkörper-Schutzkleidung, Handschuhe, ev. Augen- und Mundschutz) umsetzen.


Der Japanische Staudenknöterich

Falls Sie noch mehr über Neophyten erfahren möchten, können Sie unseren Praxiskurs besuchen:

Neophytenmanagement im Strassen- und Grünflächenunterhalt

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