Am 23. Mai 2025 durften wir in der Gemeinde Mauren einen eintägigen Praxiskurs durchführen, an dem 42 Mitarbeitende aus verschiedenen Liechtensteiner Gemeinden teilnahmen. Der Theorieteil am Vormittag legte den Fokus auf die aktuellen Neuerungen für Träger*innen der Fachbewilligung für Pflanzenschutzmittel, die rechtlichen Grundlagen, die neuesten Vorschriften zu Befüll- und Waschplätzen und den fachgerechten Umgang mit Spontanvegetation sowie invasiven Neophyten.

Am Nachmittag nahm Patrick Marxer, Werkhofleiter der Gemeinde, die Teilnehmenden mit auf eine Exkursion durch Mauren und zeigte anschaulich, wie Grünflächen gepflegt und die Biodiversität im Siedlungsraum gefördert werden. In unseren Praxiskursen werden die Nachmittagsexkursionen oft am meisten geschätzt – genügend Freiraum für Austausch und Diskussion, Praxisnähe und konkrete Umsetzungen – genau was es braucht, um Fachwissen wirkungsvoll vermitteln zu können.
Knapp neun Monate nach der Durchführung dieser Weiterbildung durfte ich mit Patrick Marxer ein Interview zu Mauren, zur Relevanz solcher Kurse und zu den Herausforderungen, die eine solch vorbildliche Gemeinde weiterhin zu bewältigen hat realisieren. Marxer betont im Interview: «Naturnahe Flächen sind nicht nur schön anzusehen – sie sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen, verbessern das Mikroklima, speichern Wasser und reduzieren Unterhaltskosten. Einheimische Pflanzen sind robuster und pflegeleichter, gleichzeitig entstehen wertvolle Rückzugsräume für die Natur.»
Mauren gilt als Vorreiter unter den Gemeinden: bereits vor 15 Jahren wurden hier die ersten konkreten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt. Im April 2024 wurde schliesslich eine praxisorientierte Wegleitung für die naturnahe Planung, Umsetzung und Pflege öffentlicher Grün- und Freiflächen veröffentlicht – ein Projekt, an dem Patrick Marxer massgeblich beteiligt war.
Marxer hebt dabei die Vorbildrolle der Gemeinde hervor: „Unsere öffentlichen Flächen sollen zeigen, wie naturnahe Pflege funktioniert. Sie sind Anschauungsobjekte, die Bürger*innen inspirieren, auch private Gärten ökologisch aufzuwerten.“
Marxer unterstreicht, dass solche Weiterbildungen heute wichtiger denn je sind. Angesichts des Fachkräftemangels sei es entscheidend, Unterhalts- und Liegenschaftspersonal zu sensibilisieren und praxisnah zu schulen. „Es gibt noch viel Potenzial, die Bedeutung naturnaher Pflege im Siedlungsraum stärker ins Bewusstsein zu rücken“, so Marxer. Gleichzeitig weist er auf eine nach wie vor bestehende Lücke zwischen Planung und tatsächlichem Unterhalt hin. Damit Grünflächen langfristig erfolgreich gepflegt werden können, sei es essenziell, das Unterhaltspersonal frühzeitig einzubeziehen – nur so lasse sich das gemeinsame Know-how optimal nutzen.
Obwohl Mauren mit knapp 4'600 Einwohner*innen eine relativ kleine Gemeinde ist, wurden dank dem Engagement von geschultem und motiviertem Fachpersonal viele grosse und kleine Projekte umgesetzt, um die Grün- und Freiflächen ökologisch aufzuwerten. Hier ein paar konkrete Beispiele, welche von Patrick Marxer während des Interviews erwähnt wurden.
Bunte Blühwiesen und Magerflächen
Entlang von Strassenrändern und öffentlichen Plätzen entstehen farbenfrohe Blühwiesen, die Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel bieten. Marxer erklärt: «Anstelle monoton gemähter Rasenflächen entstehen so ökologische Hotspots, die sowohl Funktionalität als auch ästhetischen Genuss verbinden.»

Trockensteinmauern als Lebensraum
Trockensteinmauern und Natursteinpflanzungen in der Nähe von Gehwegen und öffentlichen Gebäuden dienen als Rückzugsorte für Insekten, Eidechsen und Kleintiere. Gleichzeitig stabilisieren sie natürliche Hänge und fügen sich harmonisch in das Ortsbild ein.
Ruderalflächen bewusst nutzen
Ungepflegte Flächen oder Randbereiche werden gezielt als Ruderalflächen belassen. «Hier zeigen wir, dass Spontanvegetation nicht gleich Unkraut bedeutet, sondern einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten kann», so Marxer.

Vernetzte Grünstrukturen und Wasserflächen
Grünstrukturen entlang von Plätzen und Wasserläufen verbinden ökologisch wertvolle Flächen miteinander und tragen zur Hochwasserprävention bei. Sie speichern Regenwasser, verbessern die Bodenversickerung und schaffen natürliche Rückhaltebereiche.

Strassenbegleitflächen ohne Konfliktpotential
Früher führten begrünte Strassenbegleitflächen oft zu Konflikten mit der Verkehrssicherheit, da hohe oder dichte Bepflanzungen Sichtlinien einschränkten. In Mauren hat man hierfür eine praxisnahe Lösung gefunden: durch die Verwendung spezieller Substrate und Kräutermischungen mit niedrig wachsenden Stauden konnten diese Konflikte weitgehend vermieden werden. Patrick Marxer betont, dass dabei auch Kompromissbereitschaft eine wichtige Rolle spielt – so lassen sich attraktive, naturnahe Flächen gestalten, die sowohl die Biodiversität fördern als auch die Sicherheit im Verkehr gewährleisten.
Der Praxiskurs in Mauren war nicht nur fachlich bereichernd, sondern auch ein inspirierender Blick in die konkrete Umsetzung naturnaher Grünflächenprojekte in Liechtenstein – ein Musterbeispiel dafür, wie Biodiversität, Nachhaltigkeit und ansprechende Gestaltung Hand in Hand gehen können.
Praxiswissen für naturnahe Grünflächen